von Susanne Schaaf
(abgedruckt in MASKARA - das Magazin für die Frau, September/ Oktober 1997)
© 1997.
Für Drogensüchtige, die aus ihrer Sucht aussteigen wollen, gibt es eine Reihe von Hilfsangeboten. Von ambulanten Angeboten wie Methi-Abgabe über Arbeits- und Wohnprojekte bis hin zu Kurzzeit- und Langzeittherapien. Neben vielen seriösen Angeboten haben sich auch einige schwarze Schafe eingeschlichen: Sekten und sektenhafte Organisationen versuchen, unter dem Deckmantel der Hilfeleistung drogensüchtige Menschen anzusprechen und für ihre Interessen zu benutzen. Neben problematischen christlichen Gruppen bieten auch Narconon (Scientology) und Le Patriarche ihre "Drogenhilfe" an. Es geht diesen Gruppen nicht darum, den Süchtigen wirklich zu helfen, das Leben wieder selber in die Hand zu nehmen, die Persönlichkeit zu stärken und Selbstverantwortung zu entwickeln. Sondern sie machen die Heilung und die Hilfe von der Gnade Gottes (oder eines anderen höheren Wesens) und von der Anpassung an die Gemeinschaft abhängig. Probleme, die zur Sucht geführt haben, werden nicht wirklich angegangen, sondern durch sentimentale, religiöse Ideen zugedeckt.
Mit Heilsversprechen knüpfen Sekten und sektenähnliche Organisationen an die Sehnsüchte aller Menschen an, nicht nur der drogensüchtigen: das Leben noch einmal neu beginnen, die verkorkste Vergangenheit hinter sich lassen, ein ganz neuer Mensch werden!
Christliche Gruppen gehen davon aus, dass der Mensch zu tiefst sündig ist und ein Leben lang unter dem Einfluss von Satan steht. Er kann sich aber vor dem Untergang retten lassen, wenn er sich bekehrt, sich Jesus und vor allem der Gemeinschaft voll und ganz zuwendet. Das alte satanische Ich wird dann über Bord geworfen, das Leben als neuer, reiner Mensch kann beginnen. Die Gruppe behauptet, sie biete die "einzig wahre Methode", die garantiert wirkt, wenn man nur zur Errettung bereit ist. Viele christliche Einrichtungen argumentieren wie folgt: "Es ist nicht so, dass Dir Gott nicht helfen will. Im Gegenteil, Gott will nur Dein Bestes, er will den einzelnen Menschen, ja die ganze Welt heilen. Wenn es einem Menschen also schlecht geht, er z.B. drogensüchtig ist, dann nimmt er die Anweisungen von Gott zu wenig ernst. Denn wer wirklich an Gott und die heilige Gemeinschaft glaubt und danach lebt, der ist nicht drogensüchtig, dem geht es gut."
Gratis ist diese Hilfe also nicht &endash; von der geretteten Person wird (oft unausgesprochen) verlangt, dass er sich den Spielregeln der Gemeinschaft unterwirft. Und eh' sie sich versieht, steckt sie in einem neuen Korsett der Abhängigkeit. Statt eine eigene Persönlichkeit ist sie eine "Sektenpersönlichkeit" geworden.
Eine sektenhafte Gruppe lässt weder Kritik noch Zweifel zu. Was ein gutes und sündenfreies Leben ist, ist klar vorgeschrieben. Wer darüber diskutieren will und kritisiert, dem wird unterstellt, er zweifle an der Gemeinschaft, am Führer, an Gott und sei nicht würdig. Viele Mitglieder solcher Gruppen werden immer weiter in die Gedanken- und Gefühlsnetze der Gemeinschaft verstrickt, so dass sie den Durchblick verlieren. Oft tauchen Schuldgefühle auf: "Die Gruppe hat mir ein neues Leben geschenkt und ich habe versagt. Ich kann nicht der Mensch sein, der ich sein soll." Viele Mitglieder verzweifeln fast und beginnen deshalb, noch mehr zu beten, noch mehr für Jesus zu geben, sich noch stärker den Regeln zu unterwerfen. Rund um die Uhr sind die Mitglieder mit Aktivitäten beschäftigt. Die eigene Persönlichkeit, die eigenen Gefühle werden immer mehr der Gruppe und der Ideologie geopfert. Vereinzelte Einrichtungen führen Dämonenaustreibungen durch, weil sie glauben, dass ein Dämon den Süchtigen quält, sodass sich der Betroffene nicht aus eigener Kraft mit Beten befreien kann (z.B. das christliche Zentrum Dä Wääg von Kron).
Nicht alle christlichen oder weltanschaulichen Hilfsangebote sind schwarze Schafe. Daher ist wichtig: Wenn Du bei einem Angebot unsicher bist und Fragen hast, dann informiere Dich. Folgende Stellen helfen Dir dabei gerne weiter:
grundsätzliche Fragen zum Thema Sekten und sektenähnliche Organisationen: