von Susanne Schaaf
(Text abgedruckt im infoSekta-Tätigkeitsbericht 2001, S. 22-23)
© Juni 2002. Verein infoSekta, Zürich.
Sucht beginnt im Alltag, Prävention auch, wirbt eine aktuelle Kampagne. Dieser Ansatz gilt auch für die Abhängigkeit von Sekten und dubiosen Heilern. Zwar rufen Medien das Thema anlässlich extremer Ereignisse oder schriller Persönlichkeiten regelmässig ins Bewusstsein der Bevölkerung, das Phänomen der Sekten ist jedoch weitaus umfassender, als einzelne medienwirksame Geschehnisse suggerieren.
In Auftrag des Schuldepartementes der Stadt Zürich und in Zusammenarbeit mit der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich entwickelt infoSekta eine Unterrichtshilfe zur Sensibilisierung für das Thema in der Schule. Ziel ist eine differenzierte, sachliche und kreative Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Jugendlichen sollen nicht einfach vor "Sieben Sekten" (so der Titel einer Aufklärungsbroschüre aus den 70er-Jahren) gewarnt werden, vielmehr soll das Thema in einen breiten Kontext eingebettet vermittelt werden. Dies fördert das kritische Verständnis und bringt das Phänomen dem Einzelnen näher, was letztlich Voraussetzung für eine wirksame Prävention ist.
Das modular aufgebauten Sekten-Lehrmittel ist eine Denkschule zum Thema "Sekten". Es lädt dazu ein, über wichtige aktuelle gesellschaftliche Themen wie zum Beispiel Ideologie, Gruppendynamik, Toleranz, Fanatismus, Fundamentalismus nachzudenken und sich dazu eine Meinung zu bilden.
Bei 70 Prozent der Anfragen, die infoSekta jährlich erhält, ist jede Gruppe, über die Auskunft verlangt wird, eine andere. Das zeigt, dass eine Warnung vor den bekanntesten Sekten zu kurz greifen würde. Die bestehenden riskanten Angebote müssen benannt, aber auch die generell abhängigmachenden Strukturen und Mechanismen transparent gemacht werden.
Das Sekten-Lehrmittel besteht aus sechs Modulen:
In den Modulen kommen die wichtigsten Konfliktfelder des Sektenphänomens zur Sprache. Jedes Modul enthält einen Einführungstext, mögliche Lernziele und didaktische Vorschläge sowie Beilagen in Form von Broschüren, Textblättern, Anspieltheaterszenen und Bildmaterial. Die Texte stehen der Lehrperson auf einer CD zur Verfügung. Eine besondere Beilage ist das Video "Erfahrungen in Sekten &endash; vier Gespräche mit ehemaligen Mitgliedern". In je 20-minütigen Interviews werden vier ehemalige Sekten-Mitglieder porträtiert. Sie berichten über ihre Lebenssituation vor dem Gruppenkontakt, den Einstieg, ihren Alltag in der Gruppe, über die ersten Zweifel und den Ausstieg. Mit den vier Personen sind Erfahrungen aus vier unterschiedlichen weltanschaulichen Ansätzen abgedeckt: dem christlichen, dem esoterischen, dem hinduistischen und dem psychologischen Ansatz. Die Jugendlichen erhalten auf diese Weise Einblick in die Innenwelt verschiedener Sekten und können die Vor- und Nachteile einer Mitgliedschaft abwägen und Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen den Gruppen erkennen.
Das Sekten-Lehrmittel ist für Schülerinnen und Schüler ab 13 Jahren geeignet und ab Frühjahr 2003 erhältlich .