Programm der Tagung vom Samstag, 18. September 1999:

Wie kann der Staat den einzelnen vor "Sekten" schützen?

Staatliche Massnahmen gegenüber vereinnahmenden Gruppen, sogenannten Sekten und Psychogruppen in der Diskussion.

 

Die Veranstalter:

Einführung ins Thema: Staatliche Massnahmen?

Zielpublikum

Das Programm

Die ReferentInnen

Die Publikation zur Tagung

 


 

Einführung ins Thema: Staatliche Massnahmen?

Gruppen mit vereinnahmender Tendenz, sogenannte Sekten und Psychogruppen verstricken Menschen mit ihren Überforderungen, Ängsten und Orientierungs-Defiziten in ein Netz von Abhängigkeiten. Sie versprechen "klare Antworten" auf alle Fragen des Lebens, Persönlichkeitsentwicklung und Lebenssinn, die Überwindung innerer Blockaden und die Freisetzung ungeahnter Leistungspotentiale. Tatsächlich aber lähmen sie die individuelle Entscheidungs- und Kritikfähigkeit. Durch Methoden psychischer Manipulation beeinträchtigen sie systematisch die freie Selbstbestimmung des Einzelnen. Die Folgen für die psychische Gesundheit und der Schaden für das soziale Umfeld Betroffener sind oftmals erheblich.

Was hat der Staat angesichts der Zunahme "vereinnahmender Gruppen" zu tun? Wo ist staatliches Handeln notwendig? Wie kann der Staat intervenieren und welche Massnahmen auf gesetzlicher und behördlicher Ebene sind sinnvoll, um die Rechte des Einzelnen zu schützen und zu stärken? Was hat der Staat dringend in den Bereichen Aufklärung und Information, Prävention, Konsumentenschutz und Forschung zu unternehmen? Dabei muss der Staat seine Interventionen sorgfältig legitimieren (Stichwort "Religionsfreiheit").

Im Juli 1999 legte die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates ihren "Sektenbericht" vor, in dem differenzierte Forderungen und Handlungsempfehlungen enthalten sind. Der Bericht kann hier vom Internet heruntergeladen: http://www.parlament.ch/Poly/Framesets/Frame-D.HTM. An der Tagung werden die Empfehlungen und das weitere Vorgehen vor dem Hintergrund der Situation in anderen europäischen Staaten diskutiert.

Wir laden Sie freundlich ein.

Für die Veranstalter: Matthias Mettner

 

 

Tagung für ...

PolitikerInnen und ParlamentarierInnen, MitarbeiterInnen von eidgenössischen, kantonalen und kommunalen Behörden der Bereiche Schule, Gesundheit, Steuer und Polizei, JuristInnen und PsychologInnen, MitarbeiterInnen von Beratungsstellen und weitere Interessierte.

 

 Das Programm

09.15

Matthias Mettner / Dr. Dieter Sträuli

Begrüssung und Einführung:

Staat - "Sekten" - Individuum: Worum es eigentlich geht?

09.30

Dr. Urs Eschmann

Was gehen die 'Sekten' den Staat an? Probleme, Konfliktpotentiale, staatliche Reaktionen im Zusammenhang mit 'vereinnahmenden Gruppen', sogenannten Sekten und Psychogruppen

10.15

Prof. Dr. Ralf Bernd Abel

Zur Legitimität staatlichen Handelns gegenüber sogenannten Sekten und Psychogruppen

10.45

-

PAUSE

11.00

Prof. Dr. Ralf Bernd Abel

Staat und Gesellschaft vor der 'Sektenfrage': Haltungen und Massnahmen gegenüber 'vereinnahmenden Gruppen' in den europäischen Staaten

11.30

Prof. Dr. R.B. Abel, Prof. Dr. F. Bellanger, Dr, G. Müller, Dr. B. Steinmetz, Dr. A. Tschäppät, Dr. U. Eschmann

Diskussionsrunde mit den Experten:

Wann und wo ist staatliches Handeln gegenüber 'vereinnahmenden Gruppen' nötig und sinnvoll?

12.15

Dr. German Müller

Staatliche Haltung und Massnahmen betreffend der Sektenproblematik in Österreich

12.45

-

MITTAGESSEN

14.00

Regierungsrat Dr. Markus Notter

Grusswort

14.15

Dr. Bernd Steinmetz

Deutscher Bundestag: Endbericht der Enquete-Kommission 'Sogenannte Sekten und Psychogruppen'

15.00

Prof. Dr. François Bellanger

Der Staat gegenüber den sektiererischen Auswüchsen: der Standpunkt des Kanton Genf

15.30

Dr. Urs Eschmann

Staatliche Massnahmen Basel-Stadt

15.40

Nationalrat Alexander Tschäppät

Der Sektenbericht der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates. Was erwarten wir vom Bundesrat?

16.20

-

PAUSE

16.40

Alle ReferentInnen sowie:

 

Philipp Flammer / Susanne Schaaf

Dr. Dieter Sträuli / Bruno Deckert

Dr. Urs Eschmann

(alle infoSekta)

Thesen, Podiums- und Plenumsdiskussion:

Die Forderungen und Handlungsempfehlungen der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates in der Diskussion:

  • Einrichtung einer Schweizerischen Informations- und Beratungsstelle
  • Förderung der Forschung in Sachen "vereinnahmender Gruppen"
  • Regelung der gewerbsmässigen Lebensbewältigungshilfe / KonsumentInnenschutz und Gesundheitsgesetzgebung

18.15

-

ca. Schluss der Tagung

Die ReferentInnen:

Abel, Ralf Bernd (Schleswig D)

Dr. iur.; selbständiger Rechtsanwalt; Professur im Fachbereich Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule Schmalkalden D; 1996 - 98 sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission 'Sog. Sekten und Psychogruppen' des Deutschen Bundestages

Bellanger, François (Genf)

Dr. iur.; Prof. an der Universität Genf, Gutachter beim Genfer Departement Justiz und Polizei in Sachen 'sektiererischer Auswüchse'.

Eschmann, Urs (Zürich)

Dr. iur.; selbständiger Rechtsanwalt in Zürich; Gründungsmitglied von infoSekta Zürich.

Mettner, Matthias (Zürich)

Studienleiter an der Paulus-Akademie Zürich; Ko-Präsident von infoSekta Zürich

Müller, German (Wien)

Dr., Psychologie- und Pädagogik-Studium in Wien; 1987 - 98 Leiter der Dokumentations- und Beratungsstelle der Gesellschaft gegen Sekten- und Kultgefahren; seit 1998 Geschäftsführer der Bundesstelle für Sektenfragen in Wien.

Notter, Markus (Zürich)

Dr. iur; Regierungsrat, Vorsteher der Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich.

Steinmetz, Bernd (Hamburg)

Dr. iur; 1992 - 95 stellvertretender Leiter der 'Arbeitsgruppe Scientology' in der Behörde für Inneres, Hamburg; seit 1995 Richter am Landgericht Hamburg; 1996 - 98 sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission 'Sog. Sekten und Psychogruppen' des Deutschen Bundestages.

Sträuli, Dieter (Zürich)

Dr., Psychologe; Ko-Präsident von infoSekta Zürich.

Tschäppät, Alexander M. (Bern)

lic. iur; seit 1982 Gerichtspräsident in Bern, seit 1991 Nationalrat; 1998 - 99 Präsident der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates, Mitglied der Rechtskommission.